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Jost aus Soest schreibt über Soest, Spiel, Verein:

Brett- und Kartenspielen im Alten Schlachthof

"Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt" (nach F. Schiller)

Dienstag, 28. Juni 2011

Spiel des Jahres LogoEines meiner vielen Hobbys sind Gesellschaftsspiele, insbesondere moderne Brett- und Kartenspiele. Da gerade erst gestern das neue Spiel des Jahres gekührt worden ist, möchte ich an dieser Stelle gerne erklären, was moderne Spiele ausmachen und warum das Spielen eben nichts mit dem Alter zu tun hat!
Wie oft habe ich schon ein ignorantes "Kinderkram!" gehört...  :-(

Vorneweg: Ich wette, dass es für jede Person mindestens(!) ein passendes (Brett-)Spiel gibt, was diese faszinieren wird, unabhängig davon, welches Geschlecht oder Alter diese Person hat!

Was sind eigentlich "Brettspiele"?

Das Spiel ist die höchste Form der Forschung. (A. Einstein)

Die Siedler von CatanAllgemein bekannte Brettspielklassiker sind "Schach", "Dame" etc., aber auch "Mensch ärgere dich nicht!", "Monopoly" oder "Risiko". Ein moderner Klassiker ist das alles überragende "Die Siedler von Catan".

In der Wikipedia kann man folgende Definition finden, was das physische Brettspiel ganz gut beschreibt:

Ein Brettspiel ist ein Gesellschaftsspiel, dessen kennzeichnendes Element ein Spielbrett ist, auf dem Spieler mit Figuren, Steinen oder anderem Material agieren. Ein Spiel, bei dem eine reine Auslage entsteht wird oftmals auch zum Genre der Brettspiele gezählt, obwohl es sich streng genommen um ein Legespiel handelt.
Das Spielbrett muss nicht zwangsläufig aus Holz oder aus einem Stück sein. Bei manchen Spielen ist es variabel und wird vor jeder Partie neu zusammengesetzt. Die Bedeutung des Spielbretts ist in den einzelnen Spielen unterschiedlich. Bei manchen Titeln – die dann in vielen Fällen an der Grenze zum reinen Karten- oder Würfelspiel stehen – stellt es fast ausschließlich eine angepasste Punktetabelle dar, bei anderen ist es wirklich das spielbestimmende Element. (aus Wikipedia)

Moderne Kartenspiele ähneln in ihrer Gestaltung, Regeln und Spielweise oft den Brettspielen, sind halt nur kleiner und oft lockerer zu spielen. Die Grenzen zwischen modernen Brett-, Karten-, Lege- und Würfelspielen sind fliessend und werden häufig überschritten. Daher werde ich im Folgenden einfach pauschal von "Brettspielen" reden, auch wenn gar kein Spielbrett dabei sein sollte.

Die Siedler von Catan Spielmaterial

Warum überhaupt Brett-Spielen?

Man hört nicht auf zu Spielen, weil man älter wird.
Man wird älter, weil man aufhört zu spielen!
(nach G. B. Shaw)

Ganz einfach: Weil es Spaß macht! :-)

Und nun noch etwas fundierter...

Weil sie Neues und Überraschendes bieten.

Wenn man als Kind immer nur "Mensch ärgere dich nicht!" gespielt hat, und als Heranwachsender dann nächtelang "Monopoly" und "Risiko", dann gibt es noch sehr viel Interessantes zu entdecken!

Heute ärgere ich mich schon fast über mich selbst, dass ich damals aus Unwissenheit so viel Zeit mit solchen - objektiv schlechten - Spielen vergeudet habe!
Kein Wunder, dass viele Erwachsene nicht mehr Brettspielen wollen, wenn sie in der Jugend solche Erfahrungen machten!
Bzw. machen mussten... ;-)

Ich gehe aber ganz fest davon aus, dass es für jeden Menschen mindestens ein passendes Brettspiel gibt, mit dem dann richtigen Thema, angenehmen Spielregeln und ansprechender Ausstattung.

Weil sie soziale Bände knüpfen und vertiefen.

Ein Brettspiel spielt man (normalerweise) nicht allein. Man sitzt seinen Mitspielern direkt gegenüber (und nicht hunderte von Kilometern entfernt). Das ist pure zwischenmenschliche Interaktion!

Und wenn man dann schon gemütlich beisammen sitzt, können dann auch andere begleitende Aktivitäten stattfinden, etwa Schwatzen, Schleckern oder Schluckern (je nach Anspruch des Brettspiels und der Spielerunde).

Aber das schönste ist: Man muss nichts anderes dabei machen, man ist ja schließlich wegen des Spielens zusammen!

In unserem Spielekreis haben sich dadurch schon viele Interessenkreise gefunden, was u. a. zu gemeinsamen Kinobesuchen, Winzermarktproben, Geburtstagsfeiern, Grillabende etc. pp. geführt hat. Sogar Hochzeiten wurden inzwischen schon gemeinsam gefeiert.

Weil sie "offline" stattfinden.

Den ganzen Tag sitzt man am PC, bekommt schon viereckige Augen... Wie schön ist es da, mal körperlich und mental relaxen zu können, die Augen auf andere Dinge richten zu können (und sie dabei so ganz nebenbei zu schonen und sogar zu trainieren) und sich mit beliebigen Themen beschäftigen zu können!

Im positiven Sinne ist das Brettspielen auch eine Flucht vor dem Arbeitsalltag - und jede Partie wie ein kleiner Urlaub!

So könnte ich also jeden Montagabend, wenn unser Spielekreis stattfindet, an das Mittelmeer reisen, um eine (meine!) antike Zivilisation aufzubauen.
In echt könnte ich das nicht... zumindest nicht so häufig! :-D

Weil sie viel Abwechslung bieten.

Bei einem modernen Brettspiel verläuft jede Partie anders: Mal fallen die Würfel anders, mal reagieren die lieben Mitspieler nicht in der erwarteten Art und Weise, oder die gezogenen Spielkarten stellen einen vor ganz neue Aufgaben.

Und jetzt stelle man sich vor, dass es viele tausend verschiedene Spiele gibt! Und jedes Jahr kommen mehrere Hundert hinzu - ein quasi unendliches Potenzial an Abwechslung!

Über die weltgrößte Spielemesse werde ich später mal berichten (sie findet übrigens in Essen, also Deutschland, statt) - dort kann man all die Neuheiten nämlich ausprobieren!

Wer mal in die Welt der modernen Brettspiele reinschnuppern möchte, kann aber jederzeit und unangemeldet unseren Spielekreis - s. a. www.spieleclub.123soest.de - besuchen. Spielregeln werden übrigens gerne erklärt, also bloß keine Hemmungen!

Weil sie transportabel sind.

So eine Schachtel kann man sich ganz leicht unter den Arm klemmen, von Kartenspielen erst gar nicht zu reden! Bei gutem Wetter kann man sogar draussen spielen, solange halt eine ebene Fläche zur Verfügung steht (und der Wind beim Kartenspielen nicht zu kräftig bläst).

Ich selbst habe fast immer ein oder zwei kleine Spiele dabei, die man auch mit bis zu 10 Personen spielen kann. Falls dann mal das Thema "Moderne Brettspiele" aufkommt, kann ich das dann gleich in der Praxis vorführen.

Weil sie preisgünstig sind.

Hat man einmal ein Spiel erworben, so kann man i. A. beliebig häufig damit Spaß haben - versucht das doch mal mit einer Kinokarte! ;o)

Und selbst bei einer DVD kann man irgendwann synchron mitsprechen, wogegen ein Spiel jedesmal anders verlaufen kann.

Kennt man genügend Leute, die selbst Brettspiele haben, so kann man erstmal ohne Investition auskommen.
Aber Achtung: Irgendwann packt einen dann doch die Lust, ein bestimmtes "supertolles" Spiel selbst haben zu wollen.
Fangt dann schon mal an, ein Regal freizuräumen! :-D

In unserem Spielekreis halten wir es so, dass jeder die Spiele mitbringt, welche er gerne spielen möchte - wer keine mitbringt, spielt halt bei den anderen mit. Typischerweise finden sich 20 bis 25 Spieler ein, und es stehen so 10 bis 15 Spiele zur Auswahl. Spontan wird dann entschieden, welche Spiele tatsächlich auf den Tisch kommen. So bildet sich meistens eine Gruppe, welche eher etwas "Lockeres zum Entspannen" spielt. Dann gibt es eine Gruppe, welche sich grundsätzlich auf die Neuheiten stürzt. Und dann gibt es noch die Hardcore-Strategen oder diejenigen, welche immer die aktuellen Preisträger ausprobieren wollen, so wie zur Zeit das Kennerspiel des Jahres 2011, "7 Wonders" (trotz des Namens mit deutschen Regeln):

7 Wonders

Es kann niemand verlieren!

Es geht nicht um siegen oder verlieren.
Es geht darum, den Gegner zu demütigen!
(Hägar)

Manche haben Angst, sich bei einem Brettspiel zu blamieren, weil man ja verlieren kann. Und treten deswegen erst gar nicht die Reise in diese wunderbare spielerische Welt an. (Genau dann kommt oft das vorgeschobene Argument, dass sowas doch nur für Kinder sei.)

Diesem "Argument" kann man vielfältig entgegnen:

  1. Es gibt mittlerweile tolle kooperative Spiele, wo die Spieler gemeinsam gegen das Spiel antreten müssen. Wenn, dann verlieren hier alle. Niemand kann sich also blamieren!
  2. Es existieren wunderschöne kommunikative Spiele, wo es gar nicht auf das Gewinnen ankommt, sondern auf das gemeinsame Erlebnis.
  3. Es gibt sehr glückslastige Spiele, so dass wirklich jeder mal gewinnen kann. Und für Pech im Spiel muss man sich nun wirklich nicht schämen!
  4. Es gibt Spiele mit sehr kurzer Spieldauer, so dass nach einer Niederlage ganz schnelle eine Revanche folgen kann.
  5. Letztendlich verliert niemand, denn man lernt so spielerisch für das Leben! Und lieber man verliert sein Spielgeld bei einem Börsenspiel, als echtes Geld...
    Etwa durch eine schlechte Finanzberatung, nicht wahr? ;-)
  6. Für jeden gibt es Brettspiele, die man besonders gut beherrscht - man muss sie nur entdecken!

Wie man sieht, gibt es eigentlich keinen Grund, nicht doch mal eine Partie zu wagen. Wenn der Einstieg mit einem modernen Brettspiel beginnt, kann m. E. gar nichts schief gehen!

Also bis bald! Wir sehen uns am Montagabend um 20:00 im Alten Schlachthof! :-)

Weitere Infos: www.spieleclub.123soest.de

Ein Kommentar:

Tine

Aloah!
Lang nix mehr gehört.
Ein Blog… der wird zuhause erstmal abgespeichert. ;)
Btw: Selbst für meinen spielehassenden Bruder gibts ein perfektes Spiel… “Munchkin” ….höchstwahrscheinlich wegen der Regel “Wenn ihr euch nicht einigen könnt entscheidet der Spieleeigentümer.”

Tine - Montag, 11.07.2011, um 11:34